Altersgerechtes (Um)bauen: Das müssen Sie beachten

Ein bestehendes oder neu zu bauendes Gebäude auf die besonderen Bedürfnisse von Senioren auszurichten, ist keine Mammutaufgabe, sondern nur eine Frage guter Planung. Dennoch gibt es auch hierbei einiges, das es zu beachten gilt, wenn das Haus altersgerecht ausgestattet wird.

Frau im Rollstuhl auf Rollstuhlrampe
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Problem 1: Rechtzeitig planen

Eine schlichte Tatsache unserer heutigen Gesellschaft ist es, dass teure Anschaffungen immer häufiger in einen späteren Lebensabschnitt verschoben werden. Dazu gehört auch der Hausbau oder –kauf. Je dichter eine solche Investition am Rentenalter liegt, desto genauer sollte diese Lebensphase mit in die Planungen einbezogen werden. Ganz einfach aus dem Grund, dass eine barrierefreie Ausrichtung von Grund auf meist um einige Faktoren günstiger zu realisieren ist, als ein späterer Umbau: Türen können nur mit einigem Aufwand nachträglich auf Rollstuhlmaße verbreitert werden. Gleiches gilt für die unkomplizierte Erreichbarkeit von Ein- und Aufgängen. Dabei muss ein barrierefreies Zuhause mitnichten „nach Opa“ aussehen. Im Gegenteil: Auch jüngere Semester können davon profitieren: Durch größere Türen gelangt mehr Licht ins Haus, fehlende Schwellen und Treppen machen das Navigieren mit Kinderwagen oder schweren Einkäufen erheblich leichter. Und eine großzügige, bodenebene Dusche reduziert in jedem Alter Unfallrisiken, die durch die Verbindung mit Wasser und Fliesen entstehen können.

Problem 2: Details beachten

Ein altersgerechtes Haus zeichnet sich nicht nur durch grundlegende Dinge wie fehlende Treppen oder breitere Türen aus. Vielmehr gehört es auch dazu, dass die Kleinigkeiten des Rentnerdaseins beachtet werden müssen: Nicht nur aus der „Rollstuhlperspektive“, sondern auch der eines Kindes oder eines einfach gebückt gehenden alten Menschen können niedriger liegende Lichtschalter eine erhebliche Erleichterung darstellen. Gleiches gilt auch für die Zahlen der Steckdosen: Vielleicht wird der Hausbesitzer in einigen Jahrzehnten ein Pflegebett benötigen oder Strom für ein nächtliches Beatmungsgerät. Wenn dann im Schlafzimmer nur zwei Steckdosen links und rechts vom Bett vorhanden sind, kann dies zu einem Problem auswachsen. In ähnlicher Form sollte auch die grundlegende Innenraumgestaltung erfolgen: Eine Tür, die für einen gesunden Erwachsenen noch problemlos aufzuziehen ist, kann für einen Rentner mit Gehhilfe genauso zum Hindernis werden, wie ein schlecht erreichbarer Drücker der Toilettenspülung.

Problem 3: Die Finanzierung

Je älter ein Mensch bei der Beantragung eines Hausbau-Kredits ist, desto ungünstiger werden die Konditionen einer solchen Finanzierung für ihn ausfallen: Jede Bank hat ein Interesse daran, dass sie das geliehene Geld vollständig zurückbezahlt bekommt. Je kürzer die voraussichtliche Lebenszeit des Kreditnehmers ausfällt, desto höher werden die monatlichen Raten, die er abzahlen muss. Hier muss bereits frühzeitig auch ein vorzeitiger Todesfall mit eingeplant werden, damit die Hinterbliebenen nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Viele Banken verlangen vor der Bewilligung eines Kredits zusätzlich noch den Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung, damit die fälligen Kreditzahlungen in jedem Fall beglichen werden können. Dies sollte vor allem bei einem geplanten Neubau beachtet werden. Denn die ansonsten für altersgerechtes Umbauen gerne herangezogene KfW-bank fördert mit ihren Programmen nur Umbauten, nicht aber Neubauten.

Problem 4: Das Umfeld im Auge behalten

Carport schützt vor Sonne und Wetter
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Altersgerechtes Bauen bedeutet nicht nur, dass im Haus selbst alle Räumlichkeiten und Installationen barrierefrei ausgelegt werden, sondern auch, dass das Umfeld des Gebäudes angepasst wird. Und das beginnt bei vielen Häusern gleich an der Hintertür: Auch ein gehbehinderter Senior möchte noch die Annehmlichkeiten seines Gartens genießen können. Dazu ist es unabdingbar, dass dieser bereits im Vorfeld zumindest dahingehend ausgelegt wird, dass feste Wege ihn auch bei schlechtem Wetter begehbar machen. Weitere Dinge wie eine Beleuchtung haben nur auf den zweiten Blick etwas mit Barrierefreiheit zu tun. Dazu gehört auch, dass von einer vorhandenen Terrasse keine Stufen, sondern eine komfortable Rampe mit Geländer in den eigentlichen Garten führt – auch dies kommt wie die Beleuchtung nicht nur Rentnern, sondern auch Kindern zugute. Und nicht zuletzt sollte auch der Stellplatz fürs Auto einer genaueren Betrachtung unterzogen werden: Eine klassische „Normgarage“ verlangt dank der Abmessungen moderner Autos schon gesunden Menschen etwas Gelenkigkeit beim Ein- und Ausstieg ab. Vielen Rentnern bleibt da angesichts des geringen Platzes zwischen Türen und Wand oftmals nur, das Auto vor der Garage stehen zu lassen. Eine Lösung kann es sein, hier auf eine etwas breitere Garage zu setzen. Geht dies grundstücksbedingt nicht, sollte darüber nachgedacht werden, ob es überhaupt eine Garage sein muss, oder ob ein überdachter Carport nicht ausreicht. Dieser ist nicht nur von der Anschaffung günstiger, sondern verfügt auch meist über keinerlei Wände, gegen die eine Autotür stoßen könnte.

Problem 5: Sicherheit kennt kein Alter

Vor allem in jüngster Zeit häufen sich die Meldungen, dass Senioren zum Opfer von Trickdieben und anderen Kriminellen wurden – wie man sich grundsätzlich als Senior vor solchen Gestalten schützen kann, lesen Sie hier. Auch dem sollte bei der Planung eines altersgerechten Hauses Rechnung getragen werden – denn erhöhte Sicherheit kommt auch jüngeren Generationen zugute. Beispielsweise sollte die Haustüre mit einer optischen Gegensprechanlage ausgestattet sein. Also nicht als klassischer Türspion, der nur im Stehen verwendet werden kann, sondern als vollelektronisches System, das auch in der Dunkelheit zeigt, wer vor der Türe steht und die Möglichkeit bietet, mit der Person zu sprechen, ohne die Tür öffnen zu müssen – dies erhöht auch die Sicherheit im Haus lebender Kinder. Daneben können auch die Fähigkeiten des immer häufiger werdenden Smart Homes angepasst werden: Mittlerweile existieren Systeme, die selbstständig die Vitalfunktionen der Hausbewohner überwachen und im Notfall automatisch einen Hilfsdienst alarmieren können. Und auch Rauchmelder bieten heute die Möglichkeit der automatisierten Alarmierung. Das Gute an einem solchen smarten System ist, dass es sich jederzeit erweitern lässt: Selbst wer als 40-Jähriger beim Hauskauf nicht an einer solchen Vitalfunktion-Überwachung interessiert ist, kann sie dennoch ohne größeren Aufwand später nachrüsten lassen, sofern die Grundbestandteile des Smart Homes bereits integriert sind. Doch auch wenn kein Interesse an solchen Eigenschaften besteht, sollte schon beim Bau oder Umbau an die Kommunikation gedacht werden: Zwar bietet das Handy heute die Möglichkeit, von überall im Haus zu telefonieren, jedoch neigen nicht wenige Rentner auch zu Vergesslichkeit. Daher sollte in der Planung zumindest vorbereitet werden, dass später ein System wie ein Hausnotruf integriert werden kann.

Grafik Altersgerchtes Wohnen

Problem 6: Zukunftssicher planen

Die Lebenszeiten von (elektronischen) Systemen werden immer kürzer. Das zeigte sich nicht nur an der Kürze der Zeit, die die DVD benötigte, um von der Blu-Ray-Disk abgelöst zu werden. Getreu diesem Beispiel sollte auch bei einem altersgerechten Haus daran gedacht werden, dass sich auch zukünftige Systeme integrieren lassen. Freilich kann weder von Hausbauern noch Architekten erwartet werden, dass diese in die Zukunft blicken können, jedoch kann eine zukunftssichere Planung auch anders aussehen: Dazu gehört, dass bei den elektronischen Systemen wie der erwähnten Gegensprechanlage auf breit akzeptierte Standards gesetzt wird und nicht auf Nischenprodukte, die vielleicht in der Anschaffung günstiger sind. Ein weiterer Baustein sind speziell rentnergerechte Einbauten wie ein Treppenlift: Auch hier sollte auf Markenprodukte geachtet werden. Nicht nur wegen der zukünftigen Ersatzteilversorgung, sondern auch der Kompatibilität Systemen anderer Hersteller.