Wie kann ich eine Fachwerkwand bauen?

Wie kann ich eine Fachwerkwand bauen? 13. Oktober 2015

Das Fachwerk ist tendenziell eine äußerst komplexe Konstruktion, mit dem Fokus die Streben des Bauwerks mathematisch so anzuordnen und miteinander zu verbinden, dass lediglich Zugkraft und Druckkraft ausgeübt, und somit eine massiv erhöhte Stabilität erreicht wird. Seine Vollendung findet das Fachwerk im Brückenbau, allerdings finden ähnliche bis identische Gesetzmäßigkeiten auch beim Bau von Fachwerkhäusern und Fachwerkwänden ihren Einsatz.

Vor dem Bau kommt die Planung

Möchten Sie in Eigenregie eine Fachwerkwand bauen, so ist es in erster Linie wichtig, dass Sie sich bereits im Vorfeld für eine aktive, also tragende Fachwerkwand, oder ein passive, also rein dekorative Fachwerkwand entscheiden. Die Unterschiede sind enorm, und für eine tragende Konstruktion sollten Sie ohne entsprechende Vorkenntnisse der Mathematik, Physik und Mechanik dringend einen Architekten zu Rate ziehen. Mangelhafte Berechnungen der einwirkenden Kräfte können im schlimmsten Fall eine Fachwerkwand instabil geraten lassen, was insbesondere dann von höchster Wichtigkeit ist, wenn Sie eine bereits tragende Wand zu einer tragenden Fachwerkwand umbauen wollen. Gehen wir davon aus, dass Sie eine Wand zu einer rein dekorativen Fachwerkwand umbauen möchten, dann benötigen Sie neben dem entsprechenden Holz (bevorzugt Eiche oder Tanne) auch Füllmaterial. Dies kann sowohl aus einem Holz-Lehm-Geflecht bestehen, als auch aus Lehm- oder Backsteinen. Beim Umbau einer bestehenden Wand fällt automatisch Bruchstein an (oder, je nach Beschaffenheit, Bruchbeton). Dieser kann ebenfalls als Füllmaterial verwendet werden, was zudem deutlich ökonomischer und ökologischer wäre, da nur noch bedingt zusätzliches Füllmaterial beschafft werden muss.

Der Umbau zu einer dekorativen Fachwerkwand

Da beim dekorativen Umbau keine nennenswerten tragenden Eigenschaften des Skeletts im Spiel sind, kann bei der Anordnung der Pfosten, Stäbe, Stiele, Streben und Ständer der Fantasie freien Lauf gelassen werden. Eine einfachere Methode des Umbaus wäre, durch den Einsatz von schwerem Gerät (Flex, Vorschlaghammer, Presslufthammer, Meisel etc.) die Wand nur dort aufzustemmen wo später das dekorative Holz sitzen soll, die Wand als Ganzes also weitestgehend stehen zu lassen. Das erfordert nur minimales handwerkliches Geschick, der Umgang mit derart kräftigen und gefährlichen Gerätschaften sollte allerdings geübt sein. Die Holzpfosten für die Fachwerkwand müssen Sie dann anschließend nur noch in die aufgestemmten Durchbrüche einsetzen und neu einfassen, eine direkte Verbindung der einzelnen Streben miteinander ist in dem Fall nicht nötig. Grundsätzlich sollten Sie sich vorab ein wenig mit der Materialkunde befassen, da einige Materialien, insbesondere solche zum Verputzen, durch ihre alkalischen Eigenschaften das Holz schädigen können.

Besonderheit einer Fachwerkwand

Gegenüber anderen Wandaufbauten haben Fachwerkwände die Besonderheit nicht vollständig wasserdicht zu sein. Schlagregen kann durch minimale Haarrisse eindringen und dabei von innen als Wasserdampf per Diffusion durch die Wand nach außen treten. Dieser Hinweis mag zunächst irritierend sein, dennoch besteht kein Mangel und auch keine Auswirkung auf Lebensdauer oder Wohnqualität. Jahrhundert alte Fachwerkhäuser beweisen, dass die Feuchtigkeitseinträge in der Außenwand keine Komplikationen darstellen. Voraussetzung dafür ist natürlich das entsprechende Material. Dieses muss einen ausgewogenen Kreislauf von Durchfeuchtung und anschließender rascher Abtrocknung garantieren. Um diesen Prozess zu ermöglichen, dürfen die verwendeten Baustoffe nur geringen Widerstand gegen einen Transport von Wasser in flüssiger oder dampfförmiger Form zulassen. Daher müssen die Materialien eine gute kapillare Leitfähigkeit aufweisen, um eingedrungene Feuchtigkeit an die Oberfläche transportieren und verdunsten zu lassen. Ebenso wichtig ist es, dass keine Hohlräume in der Fachwerkwand entstehen, in denen sich Feuchtigkeit ansammeln könnte. Um dies zu vermeiden, sollten Sie homogenes Material für die Ausfachung verwenden und insbesondere an Stoßstellen zu anderen Baustoffen mit Genauigkeit vorgehen.

Geeignete Holzarten

Man kann bei dem Bau einer Fachwerkwand zwischen Hölzern sehr unterschiedlicher Qualität wählen – darunter Eiche, Douglasie, heimisches Nadelholz oder verleimtes Brettschichtholz. Folgt man der Tradition beim Fachwerkhausbau in den deutschen Landen, wird vor allem Holz der Stiel- bzw. der Traubeneiche gesetzt. Dieses wird aufgrund der folgenden Eigenschaften gerne verwendet:

  • Eichenholz ist besonders hart
  • Es ist sehr tragfähig
  • gut zu verarbeiten
  • große Widerstandsfähigkeit gegenüber Witterungseinflüssen und Schädlings- bzw. Schimmelbefall
  • Garantie von stabilen und langlebigen Bauten

Bei diesen Vorteilen ist es somit kein Wunder, dass seit Generationen auf das hochwertige und dadurch auch etwas kostspielige Material Eiche gesetzt wird.
Bei Nadelhölzern muss man sehr genau und differenziert abwägen:

Fichte und Tanne sind für viele Vorhaben gut geeignete Bauhölzer – für Außenfachwerk sind diese Hölzer jedoch nicht witterungsbeständig genug im Gegensatz zur Lärche oder Douglasie. Auch bezüglich der Schädlingsresistenz stehen Lärche und Douglasie leicht im Vorteil. Laut DIN EN 350-2 (Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten) werden diese Holzarten von „mäßig bis wenig dauerhaft“ eingestuft gegenüber der Fichte und Tanne, die nur als „wenig dauerhaft“ gelten. Trotz Ähnlichkeit von Lärche und Douglasie, ist zu beachten, dass Lärche etwas mehr zum Verziehen tendiert  und tropfende Harzgallen aufweist. Stiel- und Taubeneichen hingegen werden als „dauerhaft“ eingestuft.
Verleimtes Brettschichtholz liegt etwa in der gleichen Preisklasse wie Eiche. Dennoch vermittelt dieser Baustoff nicht den gleichen Charme, wie es die Eiche tut. Wem also etwas an dem Charakter eines traditionellen Fachwerkhauses liegt, kommt kein verleimtes Brettschichtholz in Frage.

Doch selbst, wenn Sie sich bereits für ein bestimmtes Material für Ihre Fachwerkwand entschieden haben, ist der gewissenhafte Auswahlprozess noch nicht abgeschlossen. Mit der grundsätzlichen Entscheidung für eine bestimmte Holzart sollte der gewissenhafte Auswahlprozess längst noch nicht beendet sein. Die Holzqualität ein und derselben Art wird mitunter durch die Standfaktoren des Baumes während seiner Lebensphase bestimmt.  Bäume auf Böden mit gutem Nährstoffangebot und geschützter klimatischer Umgebung wachsen besonders schnell. Für den Fachwerkbau hingegen ist das langsam gewachsene Holz von Gebirgseichen optimal, da dieses erheblich feinere Jahresringe hat. Dadurch besteht eine geringere Anfälligkeit zum Schwinden oder Verziehen als in flacheren Landstrichen. Doch das Schwindverhalten des Fachwerks richtet sich nicht nur nach der Qualität, sondern in erster Linie nach dem Trocknungsgrad.

Probleme durch falsche Ausfachungsmaterialien

Einige historische Fachwerkhäuser, die zwischen den sechziger und siebziger Jahren modernisiert worden waren, haben schon nach nur wenigen Jahren Mängel aufgewiesen und mussten aufwändig saniert werden. Hier stellt sich die Frage, aus welchem Grund an den Häusern, die zuvor Jahrhunderte überstanden hatten, innerhalb weniger Jahre nach der Modernisierung drastische Schäden festzustellen waren.
Eine Ursache für die Schäden war die Nutzung moderner, jedoch ungeeigneter Ausfachungsmaterialien als auch die Missachtung der Besonderheiten einer Fachwerkwand:

  • Statt Lehm zu benutzen, wurden z.B. Porenbetonsteine verwendet
  • An Stelle von weich gebrannter Vollziegel wurden Hartbrant-Klinker oder Kalksandsteine verbaut
  • Kalkmörtel und -putz wurde für Zement eingesetzt

Dadurch, dass auf die traditionell bewährten Materialien verzichtet wurde, war die übliche Funktion der Fachwerkwand als Ganzes nicht mehr gegeben:

  • Aus Zementmörteln und –putzen wurden alkalische Salze ausgewaschen, die Fäulnisprozesse im Holz anregen
  • Hartgebrannte Klinker und Kalksandsteine wirken diffusionsdicht und erschweren bzw. verhindern das Abführen von Feuchtigkeit
  • Auch Porenbetonsteine besitzen ein schlechtes kapillares Leitvermögen und haben Wasseransammlungen auf den Holzflächen zufolge
  • Und Schwierigkeiten beim Einsatz großformatiger Bauplatten in den Maßen der jeweiligen Gefache, da diese nicht fähig sind den lebendigen Bewegungen des Fachwerks zu folgen

Man muss beim Bau einer Fachwerkwand somit einiges beachten, wenn diese von Dauer sein soll. Die Planung sollte gewissenhaft und genau erfolgen, um spätere Mängel zu vermeiden. Auch wenn dies bedeutet bei hochwertigem Material mehr investieren zu müssen, ist man mit dem Ergebnis sicherlich zufriedener.