Neue Fenster einbauen – Anleitung Schritt für Schritt

Stehen Sie vor Ihren Fenstern und spüren die kalte Zugluft, weil Ihr Fenster nicht richtig abgedichtet ist? Sind Sie genervt vom Straßenlärm, der trotz geschlossener Fenster in Ihre Wohnung dringt? Haben Sie ein neues Haus gebaut und sind jetzt auf der Suche nach den richtigen Fenstern? Oder wollen Sie sich einfach nur teure Handwerkerkosten sparen? Bauen Sie Ihre Fenster doch einfach selber ein und werden Sie zum Heimwerker! Mit unseren folgenden Tipps und Tricks geht der Fenstereinbau leichter von der Hand, als Sie auf den ersten Blick vermuten.

Fenster einbauen professionell
Professionell kann der Fachmann Ihre Fenster einbauen – dies ist jedoch meistens mit hohen Kosten verbunden © ronnyundmelanie_flickr.com

Das richtige Rahmenmaterial wählen

Bevor Sie mit dem Einbau Ihres neuen Fensters loslegen können, müssen Sie sich für ein geeignetes Fenstermodell entscheiden. Es gibt hierfür verschiedene Materialien und Farben sowie verschiedene Rahmen, Fensterflügel und Schließmechanismen. Während die Farbe bei der Funktionalität keine Rolle spielt, tragen das Material des Rahmens, die Verglasung und die Dichtung maßgeblich zum Energieverbrauch bei. Bevor Sie ein Fenster einbauen, sollten Sie sich also entscheiden, welche Materialien Sie kombinieren möchten.
Um Ihnen einen Überblick über die Vielfalt von Fensterrahmen zu geben, stellen wir Ihnen im Folgenden die wichtigsten und häufigsten Rahmen vor. Die Anschaffungskosten unterscheiden sich im Vergleich nur minimal, die Instandhaltungskosten und der Pflegeaufwand hingegen variieren erheblich.

Fenster aus Kunststoff

Kunststoff-Fenster werden aus PVC hergestellt. Im Gegensatz zu anderen Fenstern haben sie eine hohe Witterungsbeständigkeit. Während sich die Preise für die Rahmen innerhalb des Kunststoff-Segments oft nur minimal unterscheiden, fällt an dieser Stelle vor allem die günstige Pflege durch den geringeren Aufwand bei der Reinigung und Materialwartung ins Gewicht. Kunststofffenster sind unempfindlicher im Vergleich zu anderen Rahmenarten und dementsprechend länger haltbar.

Aluminium-Fenster

Fenster aus Aluminium sind leicht und trotzdem stabil, was von Vorteil ist, wenn Sie selber Fenster einbauen wollen. Auch große Formate sind möglich. Individuelle Fensterlösungen können mit Aluminium-Rahmen im Gegensatz zu den anderen Rahmen relativ kostengünstig umgesetzt werden. Der Pflegeaufwand für Aluminiumfenster ist eher gering.

Fenster aus Holz

Holzfenster sind Naturprodukte. Durch geringe Produktionskosten sind sie verhältnismäßig günstiger. Durch einfaches Recycling sind sie zudem auch umweltfreundlicher. Ein weiterer Vorteil beim Einbau von Holz ist die Haltbarkeit bei Bränden: Während Kunststoff-Fenster im Falle eines Brandes schmelzen, halten sich behandelte Rahmen und Flügel der Holzfenster länger im Mauerwerk. Auch bieten Holzfenster eine angenehmere Haptik und strahlen eine beruhigende Wärme aus, wie kein anderes Material. Der Pflegeaufwand im Vergleich zu den anderen Materialien ist jedoch höher, denn Rahmen und Fensterflügel benötigen eine regelmäßige und besonders intensive Pflege.
Alle Fensterrahmen haben eine hohe Schließ-Dichte, so dass sie für den einfachen Einbau absolut geeignet sind. Für Passivhäuser werden spezielle Rahmen hergestellt, die teurer sind als andere Fenster.

Die richtige Verglasungsart bestimmen

Auch die Verglasung trägt maßgeblich zum Energieverbrauch und damit zur Effizienz der eingebauten Fenster bei.

Einfach-Verglasung

Einfach-Verglasungen sind bei modernen Fenstern nicht mehr erhältlich, da die Energiebilanz derart schlecht ist, dass sich ein Einbau nicht lohnt. Sie sollten daher grundsätzlich keine Einfach-Verglasung verwenden.

Zweifach-Verglasung

Zweifach-Verglasungen eignen sich besonders bei Renovierungen, wenn der Rest des Hauses eine normale Energiebilanz hat. Bei Neubauten werden oft sehr hohe Standards eingehalten, dass selbst eine Zweifachverglasung nicht mehr ausreicht.

Dreifach-Verglasung

Dreifach-Verglasungen lohnen sich, wenn Sie das komplette Haus energieeffizienter renovieren. Neben der Energiebilanz der Scheibe spielt auch die Isolierung des Hauses eine große Rolle. Diesbezüglich hat die Dreifach-Verglasung entscheidende Vorteile: Die Schallisolierung ist deutlich besser und zudem steigt die Einbruchsicherheit. Sie sind aufgrund der dritten Scheibe um 50% schwerer und erschweren hierdurch die Arbeit, wenn sie das Fenster in Eigenregie einbauen möchte. Doch der Aufwand lohnt sich: Sie haben später Fenster, die beinahe keine Kälte mehr durchlassen.

Mehrfach-Verglasung

Mehrfach-Verglasungen müssen in Passivhäusern eingesetzt werden, damit absolut keine Kälte von außen durch die Scheiben dringt. Dichtung und Rahmen werden ebenfalls speziell angefertigt. Mehrfach-Verglasungen in normalen Häusern lohnen sich eher weniger. In diesem Fall sollten Sie lieber auf eine Dreifach-Verglasung zurückgreifen und diese dann gut abdichten. So kann auf einfach Art und Weise Geld gespart werden.

Die Verglasungsart Ihres Fensters geht Hand in Hand mit der Energieeffizienz. Weitere Informationen über dieses Thema bietet Ihnen das hierfür zuständige Bundesministerium unter https://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/energieeffizienz/.

Die verschiedenen Dichtungsarten

Damit Ihre Fenster Wind und Wetter standhalten, müssen diese gut abgedichtet werden. Die Dichtung wird meist komplementär zur Scheibe ausgewählt, so dass die Verglasung gemeinsam mit der Dichtung das Fenster absolut abdichtet. Je nach Rahmenart und Verglasung wird Ihnen der Hersteller eine der folgenden Dichtungsarten empfehlen, sollte diese nicht schon im Lieferumfang enthalten sein:

  • Flügelfalz-Dichtungen
  • Fensterlippen-Dichtungen
  • Verglasungs-Dichtungen
  • Mittel-Dichtungen
  • Überschlag-Dichtungen
  • Klebe-Dichtungen

Moderne Dichtungen sollten immer wasserfest sein und verhindern, dass Feuchtigkeit eindringt.

Fenster einbauen extravagant
Auch extravagante Fenster können bei passender Laibung und Brüstung eingebaut werden © Pannon Fenster_flickr.com

Fenster einbauen: Anleitung, Schritt für Schritt

Zusammenfassung

  1. Das Rahmenmaterial passend zu Ihren Bedürfnissen aussuchen: Aluminium für außergewöhnliche Formate, Holzfenster für eine gute Energiebilanz, Fenster aus Kunststoff für eine einfache Instandhaltung.
  2. Die Verglasungsart trägt zum Energiehaushalt bei: Zweifach-Verglasungen für das renovierte Haus, Dreifach-Verglasungen für den Neubau und Mehrfach-Verglasungen nur bei Passivhäusern, um die Kosten gering zu halten.
  3. Die Dichtungen werden oft automatisch angepasst, so dass die Energieeffizienz des Fensters optimal gestaltet ist.

Letzte Vorbereitungen

Haben Sie das Maß Ihres Fensters ermittelt, indem Sie das alte Fenster gemessen oder bei Neueinbau den Plan beachtet haben, können Sie mit der Montage der neuen Fenster beginnen. Wir empfehlen Ihnen die folgenden – hierfür notwendigen – Werkzeuge, Maschinen und Materialien griffbereit zu haben:

  • Werkzeuge: Zollstock, Wasserwaage, Winkelmesser, Cuttermesser, Kartuschen-Pistole, Hammer, Meißel, Schraubenzieher, Fugen-Glätter und ggf. eine Säge
  • Maschinen: Schlagbohrmaschine für Stein, Schleifmaschine
  • Materialien: Rahmendübel, Montagekeile und Klötze, Schrauben, Dichtbänder, Spreizhölzer, Montageschaum, Silikon oder Acryl, ggf. Lasur/Lack/Farbe/Mörtel

Fenster einbauen in 10 Arbeitsschritten

  1. Hängen Sie die Fensterflügel aus, damit Sie an den Rahmen kommen.
  2. Bauen Sie den alten Fensterrahmen aus, sodass die Öffnung nach draußen frei liegt. Erst dann können Sie das komplette neue Fenster einbauen.
  3. Entfernen Sie alte Maueranker und vermessen Sie Fensterlaibung, Sturz und Brüstung mithilfe eines Zollstocks, eines Winkelmessers und einer Wasserwaage. Zwischen Fenster und Mauer müssen 1 – 2,5 cm Platz sein, um das Fenster später noch ausschäumen zu können. An dieser Stelle können Sie auch Fensterbänke austauschen und etwaig entstandene Schäden beheben.
  4. Bevor Sie das Fenster einbauen, sollten Sie den Fenstergriff am Flügel montieren. Fenster sollten mit Ankern an drei Punkten pro Meter befestigt werden, so hält das Fenster sicher und kippt nicht.
  5. (optional) Durch den Einbau eines Dichtbands steigt die Energieeffizienz des Fensters und es entsteht keine Zugluft. Dichtbänder für Fugen sorgen für eine zusätzliche Abdichtung zwischen Fensterrahmen und Mauer. Bringen Sie diese einfach an der Außenseite des Mauerwerks an.
  6. Haben Sie alle Schritte befolgt, können Sie nun das Fenster einbauen. Dazu legen sie Klötze oder Montagekeile um die Öffnung, um die Ausrichtung des Rahmens zu ermöglichen. Zusätzliche Klötze und Keile fixieren den Rahmen an der Fensterlaibung, den Sie nun optimal ausrichten müssen. Ansonsten öffnet sich das Fenster nicht richtig, hängt oder lässt sich gar nicht erst einbauen.
  7. Hängen Sie die neuen Fensterflügel ein. Kippen, öffnen und testen Sie die Funktionen des Fensters ausgiebig, bevor sie es komplett und fest einbauen.
  8. Verschrauben Sie den Rahmen im Mauerwerk durch Rahmendübel und eine spezielle Schlagbohrmaschine für Stein. Die Schrauben sollten mindestens drei Zentimeter tief im Rahmendübel und Mauerwerk verschraubt werden, um ein Mindestmaß an Stabilität zu schaffen. Bevor Sie endgültig das Fenster einbauen, sollten Sie danach nochmal alle Funktionen prüfen. Dann können Sie Spreizhölzer einsetzen und die Montagekeile und Klötzchen aus Schritt 6 entfernen. Prüfen Sie vor und nach dem Schrauben mit der Wasserwaage, ob der Rahmen auch wirklich gerade sitzt.
  9. Nach dem Verschrauben können Sie das Fenster einbauen, indem Sie es mit Montageschaum (PU-Schaum) ausschäumen, die neuen Fensterbänke einpassen und die Wände verputzen. Aus eigener Erfahrung können wir Ihnen den Montageschaum der Firma SOUDAL wärmstens empfehlen. Warten Sie nun, bis der Schaum ausgehärtet ist.
  10. Abschließend muss das Fenster von außen und innen durch Fugen aus Silikon oder Acryl abgedichtet werden. Beide Materialien sind langlebig und unempfindlich. Hier finden Sie eine Anleitung für saubere Fugen.

Fazit

Um Fenster einbauen zu können, sind mehr Planungsarbeiten, als eigentliche Einbauschritte notwendig. Haben Sie sich für den richtigen Fensterrahmen entschieden, Beschläge, Griffe, Anschlag und Öffnungsart bestimmt, das richtige Maß ermittelt und alle notwendigen Werkzeuge, Maschinen und Materialien griffbereit, können Sie auch schon loslegen.

Die wichtigste Arbeit ist und bleibt die Vorarbeit – wenn Sie richtig auswählen und messen und regelmäßig mit der Wasserwaage auf Geradheit prüfen, geht der Fenstereinbau umso schneller. Wenn Sie sich dann noch Freunde oder Bekannte als Helfer suchen, die mit Ihnen zusammen das Fenster einbauen, werden Sie schon bald voller Stolz vor den selbst eingebauten Fenstern stehen und