Obstbaum pflanzen: Früchte aus dem eigenem Garten

Obstbaum pflanzen: Früchte aus dem eigenem Garten 9. Juni 2017

Erst das Haus, dann der Nachwuchs und schließlich der Baum – warum nicht einen Obstbaum pflanzen? Der Traum vom Selbstversorger ist mit eigenem Garten weniger weit entfernt als manchmal angenommen wird. Zudem bietet ein Obstbaum auf lange Sicht viele Vorteile: Ist der Obstbaum erst einmal großgezogen, können Sie im dritten Jahresquartal jährlich frische Früchte ernten. Weiterhin können Sie einen clever platzierter Obstbaum auch als Sichtschutz nutzen.

Obstbäume: Was wächst in Deutschland?

Nicht alle Obstbaumarten wachsen in der gemäßigten Klimazone, in der sich die Bundesrepublik befindet – teilweise machen sogar regionale klimatische Bedingungen einen Unterschied aus. Zur Verdeutlichung: Während beispielsweise Nektarinen vermehrt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz angebaut werden, sind verschiedene Apfelsorten sowohl in Norddeutschland als auch in Süd-, West- und Ostdeutschland heimisch. Neben Äpfeln werden in Deutschland übrigens am häufigsten Erdbeeren, Kirschen, Pflaumen und Birnen angebaut. Der Apfel ist mit einem Anteil von etwa 75% an der gesamten Obsternte absoluter Spitzenreiter.

In der folgenden Tabelle sind einige Beispiele für Obstbäume aufgeführt, die entweder heimisch sind oder in deutschen Gärten angepflanzt werden können:

KernobstSteinobstSchalenobst

Beerenobst

ApfelKirscheHaselnussMaulbeere
BirnePflaumeWalnuss 
VogelbeereHolunderBuchecker 
SpeierlingAprikose (Marille)Edelkastanie (Marone) 
MispelNektarine  
QuitteMirabelle  
ElsbeereZwetschge  
 Mandel

Man unterscheidet bei der Bestimmung der Obstsorten zwischen Kernobst, Steinobst, Schalenobst und Beerenobst – je nach Beschaffenheit der Früchte. Gerade Beerenobst wächst meistens an Sträuchern oder in Bodennähe und nicht an Bäumen mit Merkmalen wie einem dicken Baumstamm und breitgefächerter Baumkrone. Daher wurden Obstsorten wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Himbeeren etc. nicht aufgelistet. Exotische Bäume und Südfrüchte – allen voran der Zitronenbaum oder die Pistazie – können Sie vereinzelt in Töpfen kultivieren, sofern das Mischverhältnis der Erde optimal ist und die Gewächse ausreichend Sonnenlicht abbekommen.

Die Anzahl der Sonnentage im Jahr, das Niederschlagsrisiko und die Bodenbeschaffenheit sind Faktoren, die Sie vor dem Einpflanzen eines Obstbaumes berücksichtigen müssen. Planen Sie das Vorhaben ausgiebig. Außerdem sollte stets geprüft werden, welcher Obstbaum ideal zu den lokalen Gegebenheiten passt.

Obstbaum pflanzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Obstbaum pflanzen
Beim Pflanzen sollte ein junger Obstbaum nicht nur per Hand, sondern auch mit einem stützenden Holzpfahl stabilisiert werden © xerox123_Fotolia.com

Entgegen der Annahme, dass Gewächse bei wärmeren Temperaturen gesetzt werden sollten, ist die beste Pflanzzeit eines Obstbaumes der Herbst. Im Gegensatz zur Pflanzung im Frühling bleibt dem Wurzelwerk des Obstbaumes mehr Zeit, um kräftig zu wachsen. Zudem verhindert diese Pflanzzeit, dass der Obstbaum unter Stress steht – im Frühling müsste die Pflanze ihre Ressourcen für Wurzelbildung und Blütenwachstum aufteilen. Ausnahmen bestätigen die Regel: So verschieden wie die Bäume sind, weichen auch die optimalen Pflanzzeiten ab. Verschaffen Sie sich Gewissheit darüber, ob der Herbst die perfekte Pflanzzeit für Ihre Pflanze ist.

Sobald Sie sich für eine Obstbaumsorte entschieden haben, können Sie einen wurzelnackten Setzling im nächstgelegenen Gartencenter kaufen. Die Qualität variiert häufig – es lohnt sich die Pflanzen vor dem Kauf zu untersuchen und sich folgende Fragen zu stellen:

  • Verläuft der Stamm geradlinig?
  • Ist ein stämmiger Mitteltrieb vorhanden?
  • Gibt es mindestens drei weitere kräftige Seitentriebe?
  • Sind einige Triebe vertrocknet?
  • Sind etwa gleich viele kräftige dicke und feine Wurzeln erkennbar?
  • Ist die Verdickung am unteren Stammende (Veredelung) beschädigt?
  • Sind sonstige Krebswunden oder Verletzungen zu sehen?

Zum Einpflanzen eines Obstbaumes werden einige wenige Gartengeräte und Materialien gebraucht. Dazu zählen eine Gartenschere, ein Spaten, ein Holzpflock/Holzpfahl in Stammlänge, ein witterungsbeständiger Kokosstrick und einen (Vorschlag-)Hammer. Folgendermaßen können Sie vorgehen, wenn alle Gegenstände zurechtgelegt sind:

  1. Wählen Sie einen geeigneten Platz für den Obstbaum aus. Berücksichtigen Sie dabei das Verhältnis von Licht und Schatten, eventuelle Staunässe und die Baumnutzung als Sichtschutz. Es ist außerdem vorteilhaft im Hinterkopf zu behalten, dass sich die Wurzeln unterirdisch weit ausbreiten werden je länger und größer der Baum wächst. So lassen sich Komplikationen mit Gehwegen und Bauten sowie Nachbarschaftsstreits vermeiden.
  2. Am idealen Standort machen Sie den ersten Spatenstich. Der Untergrund wird kreisförmig so tief ausgehoben, dass das Wurzelwerk des Obstbaumes in die Grube passt ohne umzuknicken. Der Grund der Kuhle sollte zusätzlich mit einer Blumenkralle o.ä. aufgelockert werden. Tipp: Passen Sie die Tiefe des Lochs auch unter Berücksichtigung der Veredelung an. Ein Sicherheitsabstand von 10 cm über der Erdoberfläche unterbindet das Austreiben von Wurzeln an dieser Stelle. So wird das bestehende Wurzelwerk nicht überwachsen und es kommt nicht zu Schiefstellungen.
  3. Nun setzen Sie den jungen Obstbaum in das Pflanzloch. Kontrollieren Sie, bis zu welcher Tiefe der Obstbaum im Gartencenter eingepflanzt war. Dies sollte deutlich am Stamm erkennbar sein und gilt als Anhaltspunkt zum Einpflanzen. Weiterhin orientieren Sie sich bei der Einpflanztiefe an folgender Prämisse: Je flacher ein Baum (dennoch vollständig!) eingepflanzt ist, desto besser wächst er. Die Enden der Hauptwurzeln des Setzlings sollten mit einer Gartenschere vor dem Pflanzen abgeschnitten werden, um ein verzweigtes Wurzelwachstum anzuregen.
  4. Im nächsten Schritt platzieren Sie den Holzpfahl, der den Obstbaum stabilisieren und beim Wachstum unterstützen soll. Lassen Sie sich dabei am besten von einer zweiten Person helfen. Der Pfahl hat idealerweise einen Abstand von 10 bis 15 cm und ist westlich zum Obstbaum positioniert. In Europa weht der Wind hauptsächlich aus westlicher Richtung – so wird der Pfahl gleichzeitig zum Windschutz.
  5. Daraufhin wird der Baum wieder aus der Pflanzloch entfernt, damit der Holzpfahl problemlos in den Boden geschlagen werden kann. An dem zuvor ermittelten Spot setzen Sie die Stabilisierungshilfe an und hämmern von oben mit einem (Vorschlag-)Hammer. Ein Tritt oder eine Trittleiter ist möglicherweise notwendig.
  6. Der Moment der Pflanzung ist gekommen: Erneut drapieren Sie die Pflanze wie bei Schritt 3 und füllen das Loch mit der ausgehobenen Erde wieder auf. Ihr Mithelfer hält den Setzling währenddessen mit den Händen am besten fest. Ist die Erde im Garten bekanntlich nährstoffarm, mischen Sie etwas Kompost in die Erde, die mit dem Spaten rundum das Wurzelwerk aufgehäuft wird.
  7. Anschließend ist die Baumpflanzung aber noch nicht erledigt. Der Erdboden ringsum den Setzling muss festgetreten werden, da sich in der Regel luftige Hohlräume in neu aufgeschütteter Erde befinden. Verfahren Sie dabei vorsichtig: Vor allem bei lehmigen Böden entstehen durch das Festtreten schnell Verdichtungen, die die Bäume beim Wachsen beeinträchtigen.
  8. Zuletzt wird der Kokosstrick in Form einer Acht zwischen Obstbaum und Holzpfahl gewickelt. Der Zwischenraum wird danach durch die Schnur selbst wahlweise von oben nach unten oder andersherum umwickelt und schließlich an den beiden Strickenden miteinander verknotet. Formen Sie mit dem Spaten einen Gießrand um den Obstbaum, damit sich das Wasser dicht am Wurzelwerk hält, wenn gegossen wird. Beenden Sie die Arbeit mit der ersten Gießung – abhängig von der Größe des Setzlings werden zwischen 10 und 20 Liter Wasser benötigt. Durch den Gießrand scheint die Pflanze zu ertrinken. Dem ist aber nicht so: In der ersten Zeit nach der Pflanzung ist der Obstbaum sehr durstig.

Das Pflanzen eines Obstbaumes ist nicht wirklich kompliziert oder aufwendig und folglich auch für den Laien machbar. Wem das Unterfangen ohne Bild/Ton noch immer zu abstrakt ist, sollte bei folgendem Youtube-Video aufpassen. Gartenexperte Jupp Schröder geht in seiner Videoanleitung nochmals alle Schritte durch, die elementar wichtig für das Pflanzen eines Obstbaumes sind und gibt weitere Tipps:

Schädlinge vertreiben

Obstbäume sind in vielerlei Hinsicht Nahrungsquellen – nicht nur für den Menschen. Die chemisch festgesetzte Sonnenenergie in Form von Blättern, Früchten, Blüten, Wurzeln und Holz ziehen Nutznießer und Parasiten an. Befallene Früchte sind dabei das kleinste Übel aber nicht minder ärgerlich. Die Insekten machen keinen Halt vor überlebenswichtiger Baumsubstanz und können im Organismus großen Schaden anrichten. Dem müssen Sie Einhalt gebieten – jedoch nicht ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht alle Insekten stören die Ökologie des Obstbaumes und gleichzeitig haben diese auch natürliche Schutzmechanismen gegen Ungeziefer. Nur bei Befall durch folgende Schädlinge o.ä. sollten Sie aktiv werden: Frostspanner, Obstbaumspinnmilbe, Rostmilbe, Gespinstmotte, Blattläuse (Blutläuse), Apfelwickler.

Probleme mit manchen Schädlingen können Sie ohne aggressive chemische Mittel lösen: Mithilfe eines Leimrings wird Schädlingsbefall durch beispielsweise Frostspanner und Blutläuse unterbunden. Dieser Ring aus einem bestimmten Klebstoff können Sie entweder direkt auf den Baumstamm auftragen oder auf einem Pappstreifen verteilen, den Sie wiederum um den Obstbaum wickeln müssen. Die Maßnahme ist simpel und effektiv zugleich – Insekten, die vom Boden über den Baumstamm zur Baumkrone wandern, kleben am Leimring fest und verenden ohne Nahrungszufuhr.

Des Weiteren gehören diverse Raupen, Blattläuse und Milben ins Beuteschema heimischer Vögel. Lotsen Sie die Jäger doch mit einem Vogelhäuschen oder Brutkasten in den Garten. So können Sie Schädlingen des Obstbaums den Garaus machen, ohne permanent selbst gegen die Insekten vorgehen zu müssen. Weiteres Mittel gegen Blattläuse: Seifenlauge. Füllen Sie Wasser und Spülmittel in eine Sprühpistole und benetzen Sie die Blätter des Obstbaums. Die Insekten ersticken durch die Lauge.

Weiterhin sind Kirschbäume bei Wühlmäusen besonders beliebt und ein typischer Schädlingsbefall. Die Nagetiere bauen unterirdisch viele Tunnel im Garten und fressen an den süßlichen Wurzeln, was das Wachstum des Obstbaums hemmt. Ignorieren Sie das Problem, kann der Baum durch die Fraßschäden irreparabel geschwächt werden, sodass dieser letztendlich abstirbt.

Durch Schädlinge entstandene Wunden sollten Sie mit Wundschutzmitteln behandeln, da ansonsten Pilzbefall und damit einhergehender Rindenbrand oder Obstbaumkrebs einhergeht. Bei einigen Schädlingen ist der Einsatz von Insektiziden notwendig. Bedenken Sie jedoch, dass Sie die Umwelt mit der chemischen Keule belasten und ebenso Fressfeinde der Schädlinge abtöten. Diese Vorgehensweise könnte den Weg für noch mehr Schädlinge ebnen.

Düngung nach Nährstoffzusammensetzung im Boden

Obstbäume sollten Sie mit Bedacht düngen – weniger ist hier mehr. Handelsübliche Düngemittel aus dem Gartencenter oder aus dem Baumarkt sind meistens nicht auf die vorhandenen Nährstoffe im Boden abgestimmt und daher zu meiden. Vorsicht: Düngemittel mit viel Stickstoff regen das Wachstum von Stamm, Wurzeln, Blättern und Trieben an, hemmen aber gleichzeitig die Entwicklung von Blüten im Frühjahr. Die Produkte gaukeln eine effektive Wirkung lediglich vor, denn dies hat zur Folge, dass nur noch wenige Früchte im Anschluss an die Blüte ausgebildet werden.

Für die Blüten und Früchte sind vor allem Phosphat und Kalium wichtig – die beiden Nährstoffe sind jedoch in den allermeisten Fällen bereits reichlich im Boden vorhanden und müssen nicht extra per Düngemittel zugeführt werden. Noch ein Argument gegen die Verwendung von Düngemitteln ist die Gefahr einer Kalium-Überdüngung. Da die Calcium-Aufnahme der Pflanze durch überschüssiges Kalium zum Erliegen kommt, wird das Fruchtfleisch der Früchte fad und bräunlich – bei Äpfeln tritt die bekannte Mangelerscheinung namens Stippe auf.

Die Bäume reagieren empfindlich auf die Nährstoffzusammensetzung des Bodens. Es empfiehlt sich per Bodenanalyse herauszufinden, ob ein Nährstoffmangel vorliegt. Wer sichergehen will, dass der künftige Obstbaum bestens versorgt ist, sollte den Untergrund auf Herz und Nieren prüfen lassen und anschließend nach speziellem Bedarf düngen. Eine universelle Düngung kann im wahrsten Sinne des Wortes weniger Früchte tragen.

Natürlicher Dünger aus Kompost bzw. Tierdung können Sie ebenfalls verwenden. Im Hinblick auf den Kot ist jedoch der Grad der Zersetzung und Ablagerung des natürlichen Düngemittels von großer Bedeutung. Frischer Dung wirkt sich bei der Düngung von Pflanzen negativ auf das Wachstum aus. Des Weiteren wird der Baum dadurch krankheitsanfälliger.

Tipp: Düngen Sie nicht direkt am Baumstamm, sondern in einem Gürtel unter der Baumkrone, der etwa ein Drittel so breit wie das Blätterdach ist. Dort befinden sich die Feinwurzeln, die hauptsächlich für die Aufnahme der Nährstoffe zuständig sind.