Schadstoffbelastungen im Kinderzimmer: Ursachen und Problembehandlung

Schadstoffbelastungen im Kinderzimmer: Ursachen und Problembehandlung 19. Juni 2016

Wenn es um die Gesundheit ihrer Kinder geht, versuchen Eltern immer ihr Bestes zu geben. Das Beste ist dabei nicht immer ausreichend, denn viele Gefahren lauern dort, wo es die meisten Menschen gar nicht erwarten würden: im Kinderzimmer. Giftige Stoffe in Tapeten, Farben und sogar im Spielzeug beeinflussen die Gesundheit des Nachwuchses. Mit diesem Ratgeber möchten wir allen Eltern helfen, Schadstoffe im Kinderzimmer zu beseitigen.

Warum gesunde Kinderzimmer so wichtig sind

Kinder verbringen etwa 90 Prozent ihrer Zeit innerhalb des Hauses. Hier wird gespielt, gelacht, gelernt und geschlafen. Dementsprechend wichtig ist die Qualität der Innenraumluft. Gift- und Schadstoffe in Tapeten, Möbeln, Farben und Bodenbelägen können die Gesundheit deiner Kleinen auf Dauer schädigen. Im Gegensatz zu Erwachsenen können sich die Sprösslinge nicht besonders gut gegen die schädlichen Stoffe wehren. Sie sind also besonders stark auf deine Hilfe angewiesen. Kinder sind von Natur aus Umweltbelastungen stärker ausgesetzt. Im Verhältnis zu ihrer Größe nehmen die Kleinen mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. Hinzu kommt der Faktor, dass ihr Immunsystem nicht ausgereift ist.

Obwohl der allgemeine Trend zu einer höheren Lebenserwartung geht, hat sich der Gesundheitszustand des Nachwuchses in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren verschlechtert. Allergien und chronische Krankheiten sind auf dem Vormarsch. Laut dem 2002 erschienenen Kinderreport sind über 25 Prozent aller Kinder davon betroffen. Damit deine Kinder einen unbelasteten Start ins Leben genießen können, hast du als Elternteil die Aufgabe, mit kleinen und großen Maßnahmen für eine gesunde Wohnumgebung zu sorgen.

Zwei klassische Probleme im Kinderzimmer beheben

  1. Der erste Schritt ist die Verhütung und Beseitigung von Schimmelpilzen. Schimmelflecken sind nicht nur unschön, sondern auch gefährlich für die Gesundheit. Schimmelpilze bilden tausende Toxine und Sporen, die sich über die Raumluft verteilen. Die Sporen sind so klein, dass sie beim Einatmen in die Lunge gelangen, allergische Reaktionen und reizende beziehungsweise toxische Wirkungen auslösen. Typische Symptome sind Augenbrennen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Dem Befall von Schimmelpilzen kannst du entgegenwirken, in dem Möbel einige Zentimeter von der Wand stehen und Baumängel umgehend behoben werden. Hat sich der Pilz bereits ausgebreitet, sollte er sofort beseitigt werden. Je nach Befall ist professionelle Hilfe ratsam.
  2. Ein weiteres Problem für die Gesundheit der Kinder ist das passive Rauchen. Tabakrauch ist ein gefährlicher, gleichzeitig aber auch vermeidbarer Schadstoff. Er enthält unzählige Stoffe, die krebserzeugend sind und die Atemwege reizen. Du solltest bereits während der Schwangerschaft auf Zigaretten verzichten. Das Nikotin erhöht das Risiko von „plötzlichem Kindstod“ um das Dreifache. Auch das spätere Rauchen sollte vermieden werden. Die Schadstoffe sorgen bei den Kleinen für Kopfschmerzen, Übelkeit, Halsschmerzen und Bindehautreizungen. Gewöhn dir das Rauchen für dein und das Wohl deines Kindes ab!

Weich-PVC: Ein Schadstoff, der sich in vielen Gegenständen versteckt

Fußbodenbeläge, Gymnastikbälle, abwaschbare Tischdecken – sie alle haben eines gemeinsam: In ihnen ist Weich-PVC zu finden. Er mag äußerst praktisch sein, ist aber auch außerordentlich ungesund. Damit der eigentlich spröde, harte Kunststoff PVC elastisch und biegsam wird, kommen gesundheitsschädliche Weichmacher zum Einsatz. Diese wiederum haben häufig eine hormonelle Wirkung und können das Steuerungssystem des Körpers negativ beeinflussen. Das ist bei Kindern besonders problematisch, da sich ihr Körper noch im Wachstum befindet. Störungen in der frühen Kindheit ziehen wiederum gravierende Langzeitfolgen mit sich.

Du kannst Weich-PVC folgendermaßen identifizieren:

  • Weich-PVC ist, wie der Name bereits vermuten lässt, ein weicher Kunststoff. Produkte aus diesem Stoff besitzen in der Regel eine speckige Oberfläche. Das traditionelle Quietscheentchen ist eines der bekanntesten Produkte aus Weich-PVC.
  • Es gibt keine Pflicht, PVC-Produkte speziell zu kennzeichnen. Du kannst dich aber an dem Kürzel „PVC“ sowie an dem Recylingcode mit der Nummer „3“ orientieren. Ein weiteres Indiz ist die Bezeichnung „Vinyl“, etwa bei der Vinyltapete. Achte also beim Kauf von einem Vinyl oder Poster fürs Kinderzimmer, dass sie nicht PVC beinhalten sind.
  • Solltest du dir beim Material unsicher sein, kannst du beim Hersteller nachfragen. Je mehr Menschen den Firmen signalisieren, dass sie keine giftigen Stoffe wünschen, desto eher werden die Unternehmen reagieren.
  • Weich-PVC kommt in gängigen Produkten wie Kunststofffußbodenbelägen, Turnmatten, Duschvorhängen, Puppen aus Plastik, Kunstledersofas, Matschhosen, abwaschbaren Tischdecken, Vlies- oder Vinyltapeten, Gummistiefeln und vielen mehr zum Einsatz.

Spielzeuge: Auch des Kindes liebste Begleiter sind von Schadstoffen belastet

Die Wahl des altersgerechten Spielzeuges ist für Eltern nicht immer einfach. Trotz Altersempfehlungen gibt es immer noch Teile, die kleine Kinder verschlucken könnten. Wäre das nicht bereits problematisch genug, ist laut der Stiftung Warentest 80 Prozent des Spielzeugs mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen infiziert. Puppe, Plüschtier, Traktor oder Holzpuzzle – kaum ein Spielzeug ist von den schädlichen Stoffen ausgeschlossen – auch nicht die Produkte von Markenherstellern. Folgende Schadstoffe kommen am häufigsten in Spielzeug vor:

  • Formaldehyd: Holzpuzzles werden in der Regel aus Sperrholz mit Bindemittel hergestellt. In einigen Fällen kann Formaldehyd austreten, welches Schleimhäute und Haut reizt und in Verdacht steht, Krebs zu erzeugen.
  • Nickel: Etwa zehn Prozent aller Kinder reagieren sensibel auf Nickel. Werden sie dem Stoff ausgesetzt, können sie eine lebenslange Kontaktallergie erleiden. Laut Bedarfsgegenständeverordnung darf Spielzeug mit direktem Hautkontakt maximal 0,5 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter je Woche freisetzen.
  • Nonylphenol: Ein Hilfsstoff in der Kunststoffproduktion und dient der Herstellung von Nonylphenolethoxylaten. Untersuchungen zufolge soll der Stoff die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen. Derzeit gibt es keine Grenzwerte für Spielzeuge.
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): PAK entsteht, wenn organische Materialien nicht vollständig verbrannt werden. Rußpigmente und Weichmacheröle sind die Hauptgründe, warum dieser Stoff in Spielzeuge gelangt. PAK gilt als fruchtschädigend, erbgutverändernd und krebserzeugend. Seit 2013 darf der PAK-Anteil 1.000 Milligramm pro Kilogramm nicht überschreiten. Da dieser Wert als unsicher gilt, möchte das Bundesinstitut für Risikobewertung den Grenzwert für die acht kritischsten PAK auf 0,2 mg/kg herabsetzen.
  • Phthalate: Ein Weichmacher, der sich mit der Zeit bei Kontakt mit Fetten oder Flüssigkeiten löst oder dünstet. Diethylhexylphthalat (DEHP), Benzylbutylphthalat (BBP) und Dibutylphthalat (DBP) sind fortpflanzungsgefährdend und deshalb in Kinderspielzeug verboten. Für unter Dreijährige sind zudem Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Dinoctylphthalat (DNOP) verboten.
  • Schwermetalle: Schwermetalle sind in einigen Farben und Kusntstoffen zu finden. Blei schadet das Gehirn bereits in geringen Mengen, Kadium dagegen die Nieren. Die neue Spielzeugrichtlinie besitzt höhere Werte für Blei als zuvor: 160 mg/kg. Derweilen versucht die Weltgesundheitsorganisation, den Stoff in Kinderspielzeug komplett zu verbieten.
  • Zinnorganische Verbindungen: Werden zur Stabilisierung von Produkten aus PVC verwendet. Einige Dibutylzinnverbindungen (DBT) beeinflussen die Fortpflanzungen, andere wirken immunschädigend. Seit 2012 darf Kinderspielzeug nicht mehr als 1.000 mg/kg enthalten, was für Kleinkinder dennoch zu viel ist. Unabhängige Prüfinstitute fordern bereits die Einhaltung von 0,05 bis 1 mg/kg, damit ein Produkt ihr Zertifikat erhält.

Mit 4 einfachen Regeln schützt du dein Kind vor Schadstoffen im Spielzeug:

  1. Prüfe vor dem Kauf, ob es scharfe Kanten besitzt oder sich Kleinteile lösen können. Lassen sich Lacke leicht abkratzen? Dann ist es für Kleinkinder ungeeignet.
  2. Schnupper vor dem Kauf am Spielzeug. Bei auffälligen Gerüchen bleibt das Produkt lieber im Laden, da Schadstoffe bereits ausdünsten könnten. Bei Spielzeug aus Holz sind unlackierte Varianten zu bevorzugen. Gebrauchtes Spielzeug hat den Vorteil, dass Lösemittel und Formaldehyd bereits verflogen sein können.
  3. Puppen für Kleinkinder sollten aus Stoff bestehen, diese sind in den meisten Fällen nicht belastet.
  4. Jedes Spielzeug muss das CE-Zeichen tragen. Damit garantieren die Hersteller, dass sie alle in der EU gültigen Richtlinien einhalten. Für zusätzliche Sicherheit gibt es Prüfsiegel von unabhängigen Unternehmen.

Artikelbild: © lichtkunst.73 / pixelio.de