Scharf – Gestellsäge mit japanischen Sägeblättern

Scharf – Gestellsäge mit japanischen Sägeblättern 16. September 2014
© panthermedia.net JCB Prod
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Gestellsägen versprühen im Zeitalter der Maschinen einen Hauch Nostalgie. Die Gestellsäge war einst unentbehrlich im Tischlerhandwerk und wird noch heute in Werkstätten  genutzt, um Lehrlingen ein Gefühl für das Sägen zu vermitteln. Ihr Vorteil: Sie arbeiten besonders elastisch und stoßdämpfend. Ihre hohe Flexibilität wird von vielen Handwerkern geschätzt. Ihr vermeintlicher Nachteil: Sie werden, wie ein Fuchsschwanz auch, von menschlicher Körperkraft betrieben und unterscheiden sich somit in ihrer Effizienz gegenüber den elektrischen Sägen. In den meisten Handwerksbetrieben finden wir auch heute noch Gestellsägen, nicht nur der Tradition wegen. Ob die Anschaffung einer Gestellsäge auch für Hobbyhandwerker lohnenswert ist und wie japanische Sägeblätter die Effizienz des Werkzeugs verändern, soll im Folgenden genauer beleuchtet werden.

Aufbau

Die Basis der Gestellsäge ist zunächst eine Holzkonstruktion, bestehend aus zwei senkrechten Holmen und einem dazwischenliegenden waagerechten Sägesteg. An den unteren beiden Enden des h-förmigen Gebildes befindet sich das Sägeblatt, während an den oberen beiden Enden eine Spannvorrichtung angebracht ist. Durch die Spannvorrichtung kann das Sägeblatt extrem dünn ausgeführt werden. Gespannt wird heute mit einer Gewindestange oder einem Draht, während traditionell eine Hanfschnur dafür verantwortlich war. Wegen ihres simplen Aufbaus ist es zudem möglich, eine Gestellsäge selbst zu bauen. Die Stabilität der Holzholme sowie die optimale Anpassung an den eigenen Körper sollten dabei berücksichtigt werden. Egal, ob man sich für ein gekauftes Modell oder die Marke Eigenbau entscheidet: Wichtig ist, darauf zu achten, die Gestellsäge nach getaner Arbeit wieder zu entspannen, um die einzelnen Teile zu entlasten und die Langlebigkeit der Säge zu gewährleisten.

Auf die Technik kommt es an

Die anzuwendende Sägetechnik verändert sich mit dem eingespannten Sägeblatt oder andersherum. Mit einem deutschen Sägeblatt arbeiten Gestellsägen auf Stoß und Zug. So können sie also schiebend beziehungsweise “stoßend” sowie ziehend durch das Holz geführt werden. Die Gestellsäge eignet sich sowohl für Quer- und Längsschnitte durch das Holz. Für Längsschnitte nutzen Sie ein Schlitzsägeblatt mit relativ grober, auf Stoß gefeilter Bezahnungsart, für Schnitte quer zur Faser verwenden Sie  ein feineres Blatt mit einer Bezahnung schwach auf Stoß. Mit einem Schweifsägeblatt versehen etwa, ist eine Gestellsäge auch als große Laubsäge nutzbar. Eine früher häufig verwendete Technik der Gestellsäge ist das Fausten. Es wird heute noch in Werkstätten zu Übungszwecken gelehrt. Beim Fausten ist die Gestellsäge so ausgerichtet,  dass das Sägeblatt quergestellt ist und so, ohne Behinderung durch den Rahmen, lange Strecken gesägt werden können.

Qualität aus der Ferne – das japanische Sägeblatt

Wie kommen nun Gestellsäge und japanische Sägeblätter zusammen? Japan weist eine lange Tradition an Handwerks- und vor allem Holzbaukultur auf. Die gemeinsame Entwicklung mit der Schmiedekunst führte in einem Jahrtausende langen Prozess zu der heute großen Bandbreite an japanischen Sägen und Sägeblättern. Sägeblätter aus japanischer Machart werden von Europäern häufig als exotisch angesehen. Auch die massenweise industrielle Fertigung seit Ende des 20. Jahrhunderts änderte nichts an dieser Anschauung und nur wenige Handwerker greifen auf die japanischen Sägeblätter zurück. Das liegt zum einen daran, dass einige japanische Sägeblätter im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants nur auf Zug arbeiten. Sie können also nicht gestoßen werden. Dies macht die Handhabung für einen Laien zunächst gewöhnungsbedürftig und schwierig, wobei eine Umgewöhnung relativ schnell geht. Gewisse Arbeiten dauern durch die veränderte Technik zunächst länger als mit den altbekannten Sägeblättern. Andere japanische Sägeblätter arbeiten genau wie die europäischen Versionen sowohl auf Stoß als auch auf Zug. Das japanische Sägeblatt ist deutlich dünner als die europäischen Exemplare.

Vorteile

Japanische Sägeblätter bieten aufgrund ihrer einzigartigen Machart einige Vorteile. Ihre besondere Stärke: Durch die lasergehärteten Zahnspitzen haben sie eine enorm hohe Standzeit. Schärfungsfeilen versagen dabei an der Nachschärfung, da die japanischen Sägeblätter härter sind als die meisten Feilen. Das dünne japanische Sägeblatt produziert außerdem weniger Späne und spart Ihnen damit Arbeitskraft und garantiert gleichzeitig einen sauberen Schnitt. Der Qualitätsgewinn bei der Arbeit führt auch in Europa immer mehr zu der Nutzung japanischer Sägeblätter.

Die Mischung macht‘s – Gestellsäge mit japanischem Sägeblatt

Die Gestellsäge bietet die Möglichkeit, verschiedene Sägeblätter einzuspannen. Um die sehr dünnen Sägeblätter japanischer Herstellung in eine Gestellsäge einzuspannen, bedarf es einer gewissen Übung, um ein Verkanten zu vermeiden. Durch die sehr dünnen Sägeblätter können schnellere Arbeitsgeschwindigkeiten erzielt und wesentlich feinere und saubere Sägeschnitte durchgeführt werden. Dadurch werden sie – nicht nur bei Gestellsägen – häufig für filigrane Arbeiten genutzt.

Scharfe Schnitte um jeden Preis?

Preislich variieren sowohl Gestellsäge als auch Sägeblätter stark. Entscheiden Sie sich dafür, die Gestellsäge selber zu bauen, sparen Sie Geld. Wer keine Zeit und Muße für den Eigenbau hat, kann eine Gestellsäge schon für etwa 30 Euro erwerben, wobei nach oben hin bis in den dreistelligen Bereich alles möglich ist. Gestellsägen mit japanischem Sägeblatt gibt es in Kombination schon ab etwa 60 Euro. Wollen Sie verschiedene Sägeblätter separat erwerben, so sind diese ab etwa 15 Euro erhältlich, wobei die japanischen Sägeblätter teurer sind als die europäischen und der Preis allgemein stark variieren kann. Der Preis spricht hierbei nicht direkt für die Qualität des jeweiligen Produktes.

Nur für Profis?

Eine Gestellsäge ist für jeden Hobbytischler eigentlich unverzichtbar. Die Gestellsäge ist in ihrer Handhabung relativ unkompliziert und auch die Umgangsweise mit japanischem Sägeblatt kann schnell gelernt werden. Die Gestellsäge bietet aufgrund ihrer hohen Flexibilität viele Vorteile. Sie sollten sich fragen: Welche Arbeiten möchte ich mit der Gestellsäge und dem jeweiligen Sägeblatt verrichten? Das japanische Sägeblatt ist sicherlich ein besonderer Luxus für Hobbyhandwerker, die es des Öfteren in die Heimwerkstatt verschlägt und vor allem filigrane Holzarbeiten erledigen möchten. Nutzen Sie also die Handwerkstradition der beiden Kontinente Ihren Bedürfnissen entsprechend.