Wintergrillen: Ratschläge für die Grillparty bei Minusgraden

Die Deutschen sind bekanntlich Grillweltmeister und dies schließt das Wintergrillen nicht aus. An die 90% der Bundesbürger grillt in den Sommermonaten regelmäßig, etwa 12 Millionen sogar ganzjährig bei Wind und Wetter – Tendenz steigend. Gerade die Minusgraden des Winters stellen hohe Anforderungen an den Grill, an die Location, an das Grillgut und an die Gäste. Damit der Grillabend bei klirrender Kälte, Schneefall oder Wind gelingt, gilt es Einiges zu beachten. Im folgenden Artikel gibt Hausliebe.de Tipps zum Wintergrillen.

Wintergrillen: Ratschläge für die Grillparty bei Minusgraden 21. November 2018

Grillstelle richtig einrichten

Im Herbst und Winter nehmen die Temperaturen in unseren Breitengeraden deutlich ab, obwohl sich Deutschland in der kühlgemäßigten Klimazone befindet. Gleichzeitig nehmen Windgeschwindigkeit und -stärke zu. Bei einer ausgiebigen Grillparty im Winter muss den kalten Witterungsbedingungen Paroli geboten werden – am besten mit einem Zelt. Vor allem der Wind kühlt Grillfans, die sich nicht permanent bewegen aus. Dieser wird durch ein adäquat befestigtes Zelt abgehalten. Weiterhin kann die Grillparty nicht durch Schneefall oder Regen gestört werden.

Mithilfe eines Heizstrahlers oder Heizpilz lässt sich der Terrassenbereich erwärmen, sodass die Gäste nicht frieren müssen. Allerdings sind Heizstrahler kein Ersatz für eine warme Winterjacke. Vorsicht: Platzieren Sie einen gasbetriebenen Heizstrahler nicht unter einem Zelt. Es besteht Brandgefahr durch offenes Feuer am Brenner und durch die Hitze, die sich an der Decke des Zeltes staut. Ein elektrischer Heizkörper ist eine echte Alternative – mit diesen Geräten heizen Sie auch in einem Zelt gefahrlos. Wer sitzt, sollte Beine und Rumpf zusätzlich mit einer Decke wärmen.

Heizpilze und Konsorten sind nicht wirklich Hingucker, erfüllen aber ihren Zweck. Ein Lagerfeuer mit Holzscheiten und Briketts – wahlweise in einem Feuerkorb oder einer feuerfesten Tonne – schlägt hingegen als natürliche Wärmequelle gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Neben der wärmenden Eigenschaft schafft ein Feuer auch eine gemütliche Atmosphäre, die durch Stockbrot ebenfalls sehr gesellig wird. Das flackernde Licht und der rauchige Geruch werden seit Menschengedenken mit Rast, Schlaf und Essen assoziiert.

Grillhaube beim Wintergrillen notwendig

De Facto sind nicht alle Grills zum Grillen im Winter geeignet – welche Grillmethode (Kohle, Gas oder elektrisch) angewendet wird, ist allerdings weniger von Bedeutung. Wichtiger ist, dass das Grillgut weitestgehend vom kalten Wind abgeschirmt wird, da es ohne plötzliche Kälteschübe umso gleichmäßiger gart. Zusätzlich kann die Glut bei einem Holzkohlegrill durch Wind und Wetter ausgehen. Diesbezüglich muss der optimale Wintergrill ausgestattet sein: und zwar mit einer Grillhaube oder einem Deckel. Kugelgrills mit Rost und Kohle sowie die meisten Modelle der Gasgrills sind mit Deckeln bestückt. Inzwischen sind auch viele Elektrogrillvarianten mit einem Deckel ausgestattet – zum Wintergrillen wird hier obendrein eine hohe Wattzahl benötigt. Weiterhin haben Elektrogrills entweder eine einseitige oder doppelseitige Heizfläche. Für das Grillen im Winter erzielen Elektrogrills mit zwei Heizflächen bessere Ergebnisse, weil weniger Hitze verloren geht, wenn das Fleisch in die Mangel genommen wird.

Wintergrillen mit Gas möglich?

Prinzipiell kann im Winter auch mit Gas gegrillt werden – welches Gas dabei verwendet wird, macht jedoch einen Unterschied aus. Butangas wechselt den Aggregatzustand bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt von gasförmig zu flüssig. Grillen Sie in der Regel nur mit Butangasflasche, ist der kritische Blick auf das Thermometer unabdingbar. Bei Temperaturen unter 0° Celsius wird sich der Gasgrill schlecht anzünden lassen, weil das Flüssiggas im Behälter bleibt und nicht als Gas durch den Schlauch zum Brenner gelangt. Hingegen ist Propangas beim Wintergrillen eher das Mittel der Wahl. Propan erhält den flüssigen Zustand ab Temperaturen von -42° Celsius und kann somit stets für das Wintergrillen mit Gas verwendet werden. Übrigens: Die kälteste Temperatur, die jemals in Deutschland gemessen wurde, lag bei -37,8° Celsius – also besteht keinerlei Gefahr, dass das Grillen mit Propangas aufgrund von Kälte ins Wasser fällt. Wechseln Sie im Zweifel auf einen herkömmlichen Grill, also mit Kohle und Rost für die Steaks.

Grillgut mit kurzer Garzeit grillen

wintergrillen schnee
Schneelandschaft und Grill – was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst, kann ein riesiger Spaß sein: Wintergrillen erfreut sich größer werdender Beliebtheit © manhattan001_Fotolia.com

Anders als im Sommer benötigt Grillfleisch beim Wintergrillen deutlich länger, um gar zu werden. Zwei Umstände erschweren das Grillen im Winter erheblich: Die aufsteigende Hitze des Holzkohle-, Gas- oder Elektrogrills wird sofort in Windrichtung abgetragen bzw. durch kalten Wind permanent abgekühlt. Außerdem muss die Hitze auch das Innere von Würstchen und Steaks garen, obwohl auch das Grillgut selbst von Windböen betroffen ist und kalt wird. Dickes Fleisch mit ohnehin schon längerer Garzeit auf dem Grill neigt bei Kälte von außen – gerade bei Briketts – zu verkohlen, während das Fleischinnere noch roh ist. Daher sollten vermehrt dünne Würstchen und Steaks sowie schmale Beilagen auf den Rost gelangen. Durch die geringere Garzeit lassen Sie Ihre Gäste zudem nicht zu lange warten.

Beilagen und Rezepte für die Grillparty im Winter

Salate passen nicht zum Winter und schmecken kalt nicht sehr deliziös. Ersatzweise bietet sich eine heiße Suppe als Beilage an. Ebenso heiß und passend wie eine Suppe ist eine Kartoffel in Alufolie vom Grill – am besten mit würziger Sour Cream garniert. Weiterhin machen Sie mit saisonalem Gemüse ebenso eingewickelt in Alufolie nichts falsch beim Wintergrillen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kürbis
  • Pilze
  • Porree
  • Chicorée
  • Rüben
  • Rotkohl
  • Grünkohl
  • Rosenkohl

Brot kann glücklicherweise auf einem Grill mit Grillhaube geröstet werden und muss nicht den kalten Temperaturen beim Grillen im Winter ausgesetzt werden. Des Weiteren beschäftigen Sie Freunde und Verwandte optimal mit Stockbrot, während das Fleisch auf dem Grill liegt, um die Wartezeit zu verkürzen und für Spaß zu sorgen. Gut zu wissen: Fleisch, das im Brot oder Brötchen gereicht wird, kühlt nicht so rasch ab. Natürlich kann auch von Tellern gegessen werden – es empfiehlt sich, Essgeschirr aus Porzellan, Keramik oder Glas bei niedriger Hitze im Ofen vorzuwärmen, damit das Grillgut nicht sofort kalt wird.

Heißgetränke statt kaltem Bier: Ein paar Rezepte

Traditionell werden zum Grillen kühle Getränke wie Bier oder Limonade gereicht. Im Winter schmecken die Erfrischungsgetränke jedoch direkt nicht mehr so köstlich, da etwas Kaltes dem ohnehin schon frierenden Körper zugeführt wird. Stattdessen eignen sich Heißgetränke auf Tee-, Kaffee- oder Kakaobasis optimal zum Wintergrillen. Herkömmlicher Glühwein ist ein klassisches Wintergetränk, muss aber trotzdem noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. In der folgenden Tabelle sind einige Rezepte für Heißgetränke beim Wintergrillen aufgelistet:

Heißgetränk Zutaten Zubereitung
Französischer Apfelpunsch 680 ml naturtrüber Apfelsaft, 3 gestrichene TL Zucker, ein Teebeutel Kräutertee, 4 Prisen Zimt, eine halbe Prise Anis, 120 ml kochendes Wasser Der Apfelsaft muss zunächst im Topf erhitzt werden. Nach und nach werden alle Zutaten eingerührt. Gießen Sie das Wasser zuletzt in den Topf. Sobald der Topfinhalt heiß genug ist, muss der Teebeutel etwa 8 Minuten ziehen. Obacht: Der Punsch als Ganzes sollte zu keinem Zeitpunkt blubbernd kochen.
Orientalischer Kakao 800 ml Milch, 120 g Zartbitterkuvertüre, 40 g Nougat (dunkel), 2 EL Koriandersamen, eine Zimtstange, 200 g Schlagsahne, geschlagene Schlagsahne Nougat und Kuvertüre müssen im Wasserbad geschmolzen werden. Gleichzeitig wird die Milch mit Zimt und Korianderkörnern aufgekocht. Anschließend wird die Schokoladenmischung mit einem Schneebesen in die Milch eingerührt. Fünf Minuten muss die Schokomilch nun köcheln. Daraufhin wird die Sahne hinzugegeben, erneut aufgekocht und mit einem Sieb passiert. Nach dem Mixen mit einem Stabmixer und wiederholtem Erhitzen ist der Kakao fertig und kann noch mit einer Sahnehaube verfeinert werden.
Ingwer-Honig-Milch 75 g geschälte Ingwerscheiben, 750 ml Milch, 6 TL Honig Zuerst müssen die Ingwerscheiben zusammen mit 600 ml Milch aufgekocht und für 5 Minuten zugedeckt ziehen gelassen werden. In der Zwischenzeit erhitzt man mit einem zweiten Topf die anderen 150 ml Milch, ohne dass der Inhalt kocht. Anschließend wird die Milch aus dem zweiten Topf mit einem Milchaufschäumer bearbeitet. Die Ingwermilch wird nun mit 4 TL Honig gesüßt und durch ein Sieb in warme Tassen gefüllt. Der Milchschaum wird daraufhin obenauf gegossen und mit den anderen beiden TL Honig verfeinert.
Schwarzteepunsch (mit Alkohol) 500 ml aufgebrühter Schwarztee (stark), 500 ml Rotwein, 100 g Zucker, Zitronensaft aus einer frischen Zitrone Sobald der schwarze Tee mit 2 Teebeuteln mindestens 10 Minuten gezogen hat, können die restlichen Zutaten hinzugefügt werden. Alles zusammen wird dann erhitzt, darf aber nicht kochen.
Rhabarberpunsch (mit Alkohol) 800 ml Rhabarbersaft, 320ml Wasser, 12 geschälte Ingwerscheiben, 120 ml weißer Rum, 80 ml Orangenlikör, 40 ml Zuckersirup, 80 ml Limettensaft In einem Kochtopf müssen alle Zutaten zusammen erhitzt werden. Achten Sie darauf, dass der Inhalt im Topf nicht zu kochen beginnt.
Kirschpunsch (mit Alkohol) 800 ml Kirschsaft, 200 ml Amaretto, 4 Prisen Zimt, 2 Prisen Vanillin, 40 ml Rum Alle Zutaten in einem Kochtopf verrühren und erhitzen. Der Inhalt des Topfes darf nicht kochen.

 

Die einzelnen Rezepte sind immer für 4 Personen ausgelegt. Je nach Bedarf sind die Zutatenmengen einfach zu halbieren oder zu verdoppeln.

Ein weiterer Vorteil: Heiße Getränke lassen den Körper langsamer auskühlen, sodass die Grillfeier von längerer Dauer sein kann. Ein ähnlich wärmender Effekt wird dem Alkohol zugeschrieben – nicht umsonst werden die berühmten Schweizer Lawinenhunde fälschlicherweise mit Schnapsfässern in Verbindung gebracht. Allerdings trügt nicht nur Spaß, sondern auch das Wärmegefühl. Da sich die Gefäße durch Alkoholkonsum weiten, wird der Körper stärker durchblutet. Die Hitze des Getränks bekräftigt die Illusion der Hitzewallung von Innen. Tatsächlich unterstützt Alkohol sogar eine Unterkühlung. Eigentlich reagiert der Körper auf Kälte, indem die Gefäße verengt werden, sodass weniger Körperwärme abgegeben wird. Durch den Alkohol passt sich der Organismus nicht an die vorherrschenden Umweltbedingungen an. Insofern sollten Schnäpse oder Mixgetränke mit Alkohol beim Wintergrillen in Massen getrunken werden.

Der Grillprofi Klaus Glaetzner hat sich dem Thema Wintergrillen gewidmet und liefert in folgendem Video kurz und bündig 10 Tipps, mit denen das Grillen im Winter zum Vergnügen wird: