Möbel selber polstern: Alte Stühle restaurieren

In die Jahre gekommene Massivholzmöbel können mit etwas Heimwerken und Pflege wieder auf Vordermann gebracht werden. Das Holz wird einmal abgeschliffen und mit Lack erneut versiegelt. Dadurch ist das Möbelstück jedoch noch nicht komplett restauriert. Die alten Polster der eigentlichen Sitzfläche müssen ebenfalls durch neue ersetzt werden. Zum Polstern muss nicht extra ein Polsterer oder Raumausstatter für verhältnismäßig hohe Preise beauftragt werden. Mit Geduld, Sorgfalt und ein paar Tricks polstern Sie eigene Stühle im Handumdrehen.

Was benötige ich zum Polstern?

anleitung polstern
Je nach Polsterungsmethode erhöht sich der Schwierigkeitsgrad, wenn man einen Stuhl polstern möchte © auremar_Fotolia.com

Einfache Polsterungen erfordern nicht sonderlich viele Materialien. Erstens müssen Sie sich für einen Stoffbezug entscheiden, der später die äußerste Schicht der Polsterung sein wird. Daher kommt es bei der Wahl des Stoffes besonders auf dessen Robustheit und Optik an. Online lässt sich eine vielfältige Auswahl an Stoffen finden, die genau in diese Kerbe schlägt. Aus den Metermaßen können Sie sich hochqualitative Stoff- und Lederbezüge selbst ausschneiden, die für die Polsterung von Sitzgelegenheiten geeignet sind. Zweitens benötigen Stühle meistens sogenannte Polstergurte, die zur Größe des Rahmens passen. Die Sitzfläche dieser Möbelstücke besteht häufig nur aus dem Polster ohne einen Untergrund. Daher sind Polstergurte notwendig, die einerseits horizontal und andererseits vertikal über die Sitzfläche gespannt werden, sodass ein Schachbrettmuster entsteht. Drittens brauchen Sie für das Polsterinnere sowohl einen passenden Schaumstoffzuschnitt als auch eine Vliesunterlage und Vlieswatte.

Entpolstern des Stuhls

Bevor die neue Polsterung und dessen Bezug auf der Sitzfläche befestigt werden kann, wird das alte Polster entfernt. Dabei können Sie gerne rabiat vorgehen, wenn das Holz noch nicht bereits frisch lackiert wurde. Da die Stoffe meistens mit Nägeln, Tackerklammern oder Kleber befestigt werden sollten Sie mit passendem Werkzeug arbeiten. Flachschraubenzieher, Schere, Cuttermesser und Zange helfen beim Entfernen des Befestigungsmaterials. Bei hartnäckigem Kleber reißen Sie so viel ab wie möglich. Daraufhin können die Polsterrückstände weiter mit dem Teppichmesser bearbeitet werden. Erfreulich: Unförmige Kleberückstände können mit grobem Schleifpapier (in Kombination mit einer Schleifmaschine) beseitigt werden. Sobald die Nägel oder Klammern gelöst sind, sollte sich das Polster ganz einfach abziehen lassen.

Anleitung: In 5 Schritten zum neuen Polster

Das Produkt dieser Polsteranleitung ist eine simple Polsterung aus Schaumstoff, die ideal für Laien zum selber nachmachen ist. Alte Stuhlpolster wurden zusätzlich zum polsternden Füllstoff auch mit Sprungfedern versehen. Für eine Polsterung mit Federn sind jedoch viel handwerkliches Geschick und Know-How wichtig. Wie originalgetreue Polsterungen mit Federkorb gebastelt werden, erfahren Sie im DIY-Blog von Leonie Richartz. Vor dem Polster ist es hilfreich, sich Werkzeug und Material zurechtzulegen. Die anfangs genannten Polstermaterialien ergänzen Sie mit Polsternägeln, Sprühkleber oder Heißklebepistole, Hammer, Tacker, elektrischem Küchenmesser, Cuttermesser und Schere.

  1. Zu Beginn der Polsterarbeiten spannen Sie die Polstergurte über die Sitzfläche im Schachbrettmuster, indem Sie Polsternägel mit einem Hammer im Stuhlrahmen versenken. Der Abstand zwischen den Polstergurten sollte maximal 5 cm betragen.
  2. Über die Polstergurte kann nun wahlweise eine zugeschnittene dünne Holzplatte, Federleinen oder eine andere Vliesunterlage genagelt werden.
  3. Mithilfe von Sprühkleber oder einer Heißklebepistole wird der Schaumstoff anschließend auf die Unterlage geklebt. Eher zu viel als zu wenig: Der Schaumstoff darf gerne etwas über die Sitzfläche ragen, weil der Zuschnitt durch den Bezug in Form gebracht wird. Im Zweifel kann durch Schneiden mit einem elektrischen Küchenmesser nachjustiert werden, wenn der Bezug befestigt werden soll.
  4. Jetzt kann die Vlieswatte zugeschnitten und auf die Schaumstoffpolsterung geklebt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Vlieswatte den Schaumstoffzuschnitt mit etwa 5 cm überlappen sollte. Dies ist allerdings von den Maßen der Sitzfläche des Stuhls abhängig, denn die Vlieswatte muss auch die kurzen Seiten des Polsters umschließen.
  5. Zuletzt wird der Stoffbezug über das Schaumstoffpolster und die Vlieswatte gespannt. Dann kann der Bezug von unten in die Innenseite des Stuhls getackert werden, sodass der äußere Stoff mit leichter Spannung alles zusammenhält.

Fynn Kliemann hat sich im Kontext seines Bauernhofprojekts – dem Kliemannsland – ebenfalls mit dem Polstern von Stühlen und einer Sitzbank beschäftigt. Das folgende Video veranschaulicht das Polstern und gibt zusätzlich einen Profi-Kniff bezüglich des Tackerns: