Wie wird ein Englischer Rasen angelegt?

Leidenschaftliche Hobbygärtner träumen von makellosen Rasenflächen – so makellos wie Englischer Rasen. Dabei muss so ein Zierrasen im eigenen Garten kein Traum bleiben, denn auch Laien sind mit den richtigen Rasensamen und regelmäßiger Pflege in der Lage einen dichten Rasenteppich wachsen zu lassen. Fleiß und Ausdauer sind essentiell: Auf Rasenmähen zweimal pro Woche, dosiertes Gießen und exaktes Düngen müssen Sie sich einstellen. Wer sowohl Fleiß als auch Ausdauer mitbringt und eher zentral oder im Süden von Deutschland wohnt, kann sich problemlos im eigenen Garten einen Englischen Rasen anlegen. Hausliebe.de zeigt, wie Sie dabei vorgehen können.

Englischer Garten in Deutschland

englischer rasen in münchen
Der Englische Rasen vor dem Monopterus in München beweist, dass präzise geschnittene, saftiggrüne Wiesen auf ganzer Linie überzeugen © auris_Fotolia.com

Im Garten- und Landschaftsbau haben sich in Europa im Laufe der Zeit mehrere Strömungen zu zwei Gartenstilen manifestiert: Einerseits der italienisch-französische Barockgarten und andererseits der Englische Garten. Zweiterer hat sich nicht nur bei den Engländern sondern auch in Deutschland durchgesetzt und ist weltweit bekannt durch eine natürliche, offene Gestaltung mit einzelnen bepflanzten Inseln. Weiteres Merkmal dieses Stils ist ein nahezu perfekter grüner Rasen, der aussieht als würde dieser mit Nagelschere und Geodreieck geschnitten werden – genannt Englischer Rasen. Weiterhin ist das deutsche Aushängeschild der englischen Rasenart, der ebenfalls Englischer Garten getaufte Park vor dem Monopterus  in München.

Welche Rasensamen benötigt ein Englischer Rasen?

Ein Englischer Rasen ist gekennzeichnet durch eine satte grüne Farbe und durch einen dichten Wuchs. Da Englischer Rasen ausschließlich der Zierde dient, ist eine physische Belastbarkeit (z.B. durch sportliche Aktivitäten oder spielende Kinder) nicht notwendig – wichtiger sind die Anforderungen an die Rasensamen bezüglich Optik und Dichte. Die folgenden Rasensorten sind prädestiniert für Zierrasen:

RasenartMerkmale
Weißes StraußgrasBesonders dichte, grüne Rasen wachsen aus dem Saatgut des Weißen Straußgrases. Die Halme dieser Rasenart sind glatt sowie kahl und werden maximal 8 bis 40 cm hoch.
Rotes StraußgrasDas Süßgras mit dem Namen „Rotes Straußgras“ wächst horstig und hartnäckig bis zu einer maximalen Länge von 20 bis 60 cm. Auf ungünstige Wetterbedingungen reagiert die Rasenart relativ gut, sodass selten gelbe Stellen entstehen und der Rasen eher in kräftigem grün erstrahlt.
Horst-RotschwingelDer Rotschwingel gehört auch zu den Süßgräsern und bildet eine locker bis dichte oder horstige Rasenfläche mit Halmen, die zwischen 20 und 80 cm groß werden. Der Rasen hat geringe Nährstoff- und Feuchtigkeitsansprüche.
Haarblättriger RotschwingelDer Haarblättrige Rotschwingel hat einen lockereren Wuchs als der Normale und bildet eine gräulich grüne Rasenfläche. Die Halme des Grases erreichen maximale Höhen von 30 bis 70 cm.

Anleitung: Englischen Rasen anlegen

Damit der Zierrasen nach der Aussaat seine volle Pracht entfaltet, muss Ihr Garten einige Kriterien erfüllen. Da dosierte Wasserzufuhr unabdingbar für den Englischen Rasen ist, darf es im Boden nicht zu Staunässe kommen. Ist Staunässe ein bekanntes Problem, begegnen Sie diesem mit Drainagen, um bessere Bedingungen für den Rasen zu schaffen. Deutschland liegt in der kühlgemäßigten Klimazone. Erfreulich: Diese Rasensorten kommen mit dem dort vorherrschendem Klima in der Regel gut zurecht – Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.

Pflanzen benötigen Sonnenlicht aber verbrennen unter Umständen im Frühjahr oder im Sommer, wenn sie über einen zu langen Zeitraum der Sonne ausgesetzt sind. Rasenpflanzen sind da keine Ausnahme. Glücklicherweise ist der Sonnenstand in unseren Breitengeraden günstig für einen Englischen Rasen. Insofern sind sonnige Flächen den Schattigen in Gebieten mit viel Niederschlag (wie etwa Norddeutschland) sogar vorzuziehen. In Bayern, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen macht es definitiv Sinn, einen halbschattigen Ort für den Englischen Rasen zu wählen.

  1. Vor der Aussaat der Rasensamen muss der Boden vorbereitet werden. Stecken Sie die zukünftige Rasenfläche mit einer Schnur und mehreren Holzpflöcken ab, um den alten Rasen anschließend mit einem Spaten abzutragen. Ebnen Sie den Boden währenddessen, indem Sie Kuhlen mit Erde auffüllen.
  2. Legen Sie besonderes Augenmerk auf das Entfernen von Unkraut. Mehrjähriges Unkraut hat lange Wurzeln, die tief im Boden verankert sind. In Vorbereitung auf einen Zierrasen sollten Sie Unkraut inklusive Wurzeln vor der Aussaat des neuen Grases entfernen.
  3. Bei einem Englischen Rasen erfolgt die Aussaat bestenfalls im Frühjahr, sobald keine Gefahr mehr von Bodenfrost ausgeht. Allerdings erzielen viele Hobbygärtner auch gute Ergebnisse, obwohl im Herbst ausgesät wurde. Die Rasensamen platzieren Sie lückenlos und ausgewogen auf dem kahlen Boden und nicht unter der Erde, da Rasenpflanzen nur bei Licht keimen. Mithilfe eines Streuwagens erleichtern Sie sich die Aussaat. Ein Streuwagen ist zum Glück sehr günstig im Baumarkt erhältlich.
  4. In der Keimphase des Englischen Rasens ist es besonders wichtig, regelmäßig mit Wasser zu sprengen. Je nach Wetterlage sollten Sie morgens bevor die Sonne voll auf die Rasenfläche scheint ausgiebig bewässern. Am späten Nachmittag oder Abend sollte mit etwas weniger Wasser erneut gegossen werden. Die Oberfläche des Englischen Rasens sollte stets feucht sein, ohne dass sich Pfützen bilden. Behalten Sie die Wetterlage im Auge: Bei Regenschauern muss weniger gegossen werden genauso wie im Herbst. Im Winter ist das Gießen selten möglich. An frostfreien Tagen ohne Bodenfrost verhindern Sie Trocknungsschäden, wenn gegossen wird.
  5. Saatgut wird häufig als Mischung mit Dünger angeboten. Ist dies nicht der Fall, beginnen Sie bereits bei der Aussaat mit dem regelmäßigen Düngen. Auf der Verpackung des Saatgutes finden Sie meistens ein Düngeschema, das optimal auf die Bedürfnisse der Rasensamen abgestimmt ist. Der Dünger wird durch Wasser (Regenwasser) gelöst und in den Boden geschwemmt. Deswegen verbinden Sie das Düngen immer mit Gießen.

Der Englische Rasen ist zwar noch nicht sichtbar aber angelegt – nun heißt es abwarten und pflegen bis die ersten Halme zu sehen sind. Das Betreten der zukünftigen Rasenfläche ist bis auf weiteres mit Vorsicht zu genießen: Die Grassamen dürfen weder in den Boden gelangen noch im Keimprozess behindert werden. Leider sind auch Vögel scharf auf die Rasensamen und müssen gelegentlich verscheucht werden.

Pflege des Rasens

Ohne stetige Pflege wird aus dem Rasen kein  grüner Engländer: Rasenmähen ohne motorisierten Mäher in eng beieinanderliegenden Intervallen, zum Teil tägliches bewässern,  regelmäßiges Düngen und jährliches Vertikutieren sind die Voraussetzungen für garantiertes Gelingen. Der folgende Abschnitt gibt Tipps für die Pflege des Englischen Rasens.

Regelmäßig Rasenmähen

Wenn aus den Rasensamen sichtbar Gras wächst und die Halme eine Höhe von 6-8 Zentimeter erreichen, ist es Zeit für den ersten Schnitt. Trimmen Sie das Gras auf eine Höhe von 4-5 Zentimeter. Tipp: Mit einem Spindelmäher (auch Walzenmäher genannt) schneiden Sie die Halme schonend ab, sodass das Gras nicht herausgerissen wird. Generell sind die Spindelmäher den normalen motorisierten Rasenmähern bei englischem Rasen vorzuziehen. Daraufhin beginnt das regelmäßige Rasenmähen (im besten mit Walzenmäher) zweimal pro Woche – alle 3-4 Tage. Diese Frequenz wird jedoch nur in der Wachstumsphase beibehalten. Im Hinblick auf den Herbst und den Winter reicht es auch aus einmal pro Woche zu Mähen bis der Englische Rasen schließlich Winterschlaf macht.

Englischer Rasen wird in geraden Linien geschnitten und anschließend mit einem Laubbesen gelüftet, während das Schnittgut zusammengefegt wird. Lüften geht auch ohne Rasenmähen – die Verwendung des Laubbesens hat sich bewährt und optimiert die Dichte und Farbe des Rasens. Erfahrungsgemäß sehen Zierrasen, die nach erstem dem ersten ein weiteres Mal im 90-Grad-Winkel gemäht werden, professioneller aus.

Unkraut entfernen

Auch ein noch so gut angelegter Zierrasen bleibt vor Unkraut nicht verschont. Vereinzeltes Unkraut entfernen Sie mit Unkrautstechern oder Kreuzhacken. Achten Sie dabei darauf, dass die Wurzeln nicht vom Spross abreißen. Aus den Wurzeln, die im Boden bleiben, wächst sehr schnell erneut Unkraut. Weiterhin verenden Sie das Unkraut sehr effektiv, wenn Sie betroffene Rasenflächen mit kochendem Wasser begießen. Dabei wird der Englische Rasen zwar auch vernichtet aber mit einer Hand voll neuen Rasensamen stopfen Sie die Löcher im Rasenteppich wieder. Nachsäen lohnt sich in jedem Fall. Im Hausliebe-Magazin finden Sie weitere Tipps gegen Unkraut.

Englischen Rasen vertikutieren?

Bis der Rasen jegliches Unkraut und Moos verdrängt hat, dauert es einige Monate. Außerdem müssen Sie die Graspflanzen durch Vertikutieren im Frühjahr dabei unterstützen. Vertikutieren entfernt Unkraut sowie Moos, lässt den Rasen allerdings größtenteils stehen. Trotzdem ist Vertikutieren eine große Belastung für den Englischen Rasen und sollte nicht öfter als einmal pro Jahr durchgeführt werden – vorausgesetzt, die restlichen Aspekte der Pflege werden ebenfalls umgesetzt. Noch wichtiger als das Vertikutieren ist gezieltes Neuanlegen bei Stellen, die von Moos und Unkraut befallen sind. Heben Sie die Placken mit einem Spaten aus und säen Sie dort neues Saatgut. Mithilfe dieser Taktik verdrängt der Englische Rasen alle anderen Pflanzen mit der Zeit und das grüne Gesamtbild verbessert sich.

Golfplätze sind gute Beispiele für Zierrasen. Der folgende Beitrag des SWR thematisiert Englischen Rasen ausführlich und lässt Rasenexperten und Golf-Platzwarte zu Wort kommen. Außerdem wird erklärt, was Sie beachten müssen, um Zierrasen im eigenen Garten anzulegen.